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PRESSE-INFORMATION / ONO MATO POETIKA (2020)

Das Album „Ono Mato Poetika“ besteht aus zehn Klavierstücken, aufgenommen im Osten von Berlin, geschrieben in einer Stimmung zwischen Apathie und Euphorie in etwas weniger als einem Jahr. Ich merkte schnell, dass diesmal etwas anders war als bei meinen vorherigen Alben.

Ich bin es gewohnt, dass Dinge passieren, dass Menschen kommen und gehen und dass hieraus Musik entsteht. Die Titel der einzelnen Stücke auf den Platten „Kill Your Babies“, „I Love You“ und „My First Piano“ waren so etwas wie Tagebucheinträge. Sie erinnern mich an Erlebnisse, an Begegnungen, auch an Filme oder Theaterinszenierungen, an denen ich gearbeitet habe. Der (fast ganz instrumentalen) Musik lag immer etwas Autobiographisches zugrunde. Früher wäre vielleicht der Begriff „Programmmusik“ passend gewesen. Nun, zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, hatte ich es mit einer Reihe von Stücken zu tun, für die ich keine Namen wusste. Es gab keine Ereignisse, die der Musik als „Programm“ vorausgegangen waren. Die Musik fühlte sich nicht einmal an wie eine Sprache, die ich kenne. Englische, deutsche, französische oder persische Titel – so wie in den Jahren davor – wirkten falsch. Etwas, das keinen Namen trägt, verwirrt mich.

Als ich heute Morgen nach dem Aufstehen frisch gewaschene, weiße Stoffservietten gefaltet habe – was ich eigentlich am liebsten machen würde, den ganzen Tag lang –, da wurde mir klar, was mich beschäftigt: Ich habe etwas aufgenommen, das vom Nichts handelt. Was für eine Erlösung! Denn ich sehne mich nach dem Nichts. Mir ist alles zu viel. Schon seit einer Weile. Ich möchte, dass das aufhört. Ich möchte an die Decke schauen und an eine leere Wand und Glenn Gould dabei zuhören, wie er Skrijabin, Grieg und Sibelius spielt – auf Schallplatten. Ich lebe in einem dauerhaften Zustand völliger Überreizung. Das tun die meisten von uns. Das Tempo, der Ton, die Lautstärke, die Flut von Eindrücken. Overkill. Eigentlich nichts Neues, nur ertrage ich es in letzter Zeit immer weniger. Sitze ich am Klavier, verschwindet alles andere, und der Lärm um mich herum wird leiser. Wie in einem leeren Kino, in dem kein Film läuft. Angedeutet hat sich dieses Gefühl schon in den Konzerten, die ich seit ungefähr zwei Jahren spiele: schwarzverdunkelte Säle, nur eine kleine Leselampe über dem Flügel, vollkommene Stille, kein Applaus zwischen den Stücken, rauschende Lüftungen müssen ausgeschaltet sein. Das Nichts ist nicht nichts.

Am Klavier finde ich einen Weg, die Unruhe in meinem Kopf in etwas zu übersetzen, das sich besser anfühlt als Bipolarität. Fantasiemusik, die keinen Anlass hat und etwas vertont, das aus mir kommt, wofür ich aber keine Bezeichnung habe. Was ich weiß: Meine Eltern wurden in Teheran geboren, ich bin in Boston zur Welt gekommen, ich bin in Hamburg aufgewachsen, und ich lebe heute in Berlin. Ich liebe nichts so sehr wie Musik. Alles andere sind Fragezeichen, Ausrufezeichen, Gedankenstriche. „Ono Mato Poetika“ und die hieraus abgeleitete, dekonstruierende Kette von zehn einzelnen Titeln in einer Sprache, die es nicht gibt, sind eine postromantische Klaviersuite, die nur eines möchte: nichts. M.K.

 

Presse-Information „My First Piano“ (2018)
Presse-Information „I Love You“ (2015)
Presse-Information „Kill Your Babies“ (2012)

PRESS INFORMATION / MY FIRST PIANO (2018)

Malakoff Kowalski was born to Persian parents in Boston, grew up in Hamburg, and lives in Berlin today. His first solo album Neue Deutsche Reiselieder was released in 2009. The German newspaper Süddeutsche Zeitung described his 2012 album, Kill Your Babies—Filmscore for an Unknown Picture, as “an album full of melancholic song sketches. As if he had cut out the pieces of a scratched copy of a Nouvelle Vague film.” In 2015, the album I Love You was released, a mix of jazz, folk and film music.

Of the many instruments that can be heard in Kowalski’s recordings, the piano has always played a significant role. And so it is on his new album, My First Piano, that is being released on April 6, 2018 on the label MPS. These ten piano pieces are described by the critic Max Dax in the liner notes as “little hybrids of finger exercises, doodling, aphorisms and the laconic. A bold, well-tempered piano player blurring the lines between classical and jazz.”

The cover image of the baby photo on the piano was discovered by accident in an old family album. Kowalski went in search of the forgotten piano from his childhood and brought it back to Berlin some thirty years later.

“My earliest childhood memories are of lying curled up under the piano stool, listening to my mother playing Bach, Brahms, Schubert and Scriabin. There are not many places or things that feel like home to me. Our family is scattered all over the world and that’s the only way I’ve ever known it. But having my old baby piano with me again, with its ivory-white rounded keys, the decorated sound holes and the unpadded stool, just like back then—this all feels a bit like home.”

Malakoff Kowalski has worked also as a film and theater composer. Over the past years, he has collaborated closely together with the filmmaker Klaus Lemke and the stage director Angela Richter. His stage music for Parzival and Faust were last to be heard at the Schauspielhaus in Cologne and the Staatstheater in Stuttgart. In the cinemas, Kowalski’s piano music can be heard now in Lisa Langseth’s film Euphoria, a drama featuring Alicia Vikander, Eva Green and Charlotte Rampling in the starring roles.

In his solo concerts on the piano, Kowalski will be presenting his newly released My First Piano, parts of the last two albums, as well as extracts from his stage and film music.

(ONO MATO POETIKA PRESS INFORMATION FOLLOWING THE NEXT DAYS)

 

Presse-Information „My First Piano“ (2018)
Press Information “I Love You” (2015)
Press Information “Kill Your Babies” (2012)